Führungen im neuen Schulhaus

Die Schule zieht in das sanierte Gebäude in der Erich-Mühsam-Straße um. Hier wird am 30. August das neue Schuljahr mit Führungen für Kinder und Eltern beginnen. "Wir alle müssen uns das neue Haus erst einmal erobern", sagt Panzer.

Führungen im neuen Schulhaus Es ist nicht das erste Mal, dass Umzugsfirmen vor dem Haus in der Mühsamstraße vorfahren. 1991 wurde in der ehemaligen POS mit viel Kraft das neue Liebegymnasium etabliert, das 2004 an einen neuen Standort zog. Jetzt wird hier Geras zweite Ganztagsschule eingerichtet. Vorerst mit den nur 200 Schülern aus der 12. Regelschule. Erst mit dem Schuljahr 2008/2009 kommen die Regelschüler aus Langenberg hinzu, deren Schule geschlossen wird. Dann ist die Mühsamstraße voll ausgelastet.

2,5 Millionen Euro, zum Großteil aus dem Bundesprogramm "Zukunft, Bildung und Betreuung" für Ganztagsschulen, sind in Sanierung und Ausstattung geflossen. Entstanden sind nicht nur moderne Klassenzimmer und Fachkunderäume, sondern auch spezielle Räume für Arbeitsgemeinschaften, jene Angebote, die eine Ganztagsschule ausmachen. Darunter eine Küche, ein Nähzimmer, Theaterraum, Computerkabinett, Werkraum oder auch der Clubraum, den die Kindervereinigung betreut. Es ist Platz für Förderunterricht und Hausaufgabenhilfe.

Ehrgeizige können Wirtschaftsenglisch belegen und mit einem Zertifikat der Londoner Industrie- und Handelskammer abschließen. Und die Sportgruppen sind froh, dass nun auch die Turnhalle für 450 000 Euro in die Kur kommt. Seit drei Jahren feilt die Schule an dem Ganztags-Konzept. "Wir sind kein Hort für Große", sagt Panzer, "aber wir machen Angebote für den ganzen Tag." Bis 15.30 Uhr ist immer etwas los. 15 Arbeitsgemeinschaften gibt es, auch dank Kooperationen mit Unternehmen, der Handwerkskammer, Vereinen.

Genutzt werden sie allerdings unterschiedlich. "Es ist manchmal schwer, die Eltern zu erreichen", schildert der Rektor die Praxis dessen, was in der Theorie der damaligen rot-grünen Bundesregierung größten Förderbedarf hatte. Um Kinder zu begeistern und "eine Tradition aufzubauen" werden im neuen Schuljahr in 5. und 6. Klassen Arbeitsgemeinschaften auch schon vormittags angeboten. Inwieweit das neue Schulhaus die Idee der Ganztagsschule befördern hilft? Panzer mag keine großen Sprüche klopfen. "Wir haben viel vor. Was daraus wird, werden wir in einem Jahr sehen."

Dass es mehr um die bauliche Rettung einer Schule gehen könnte als um inhaltliche Arbeit, hatten Stadträte schon befürchtet, als die Fördergelder 2003 vergeben wurden. Panzer hat mit 42 Mitarbeitern für 200 Schüler zwar reichlich Personal, sagt aber auch, "Ganztagsschule zum Nulltarif gibt es nicht". Die Gelder für die inhaltliche Ausgestaltung sind schmal.

Die Lehrer planen noch 14 Tage, in denen die 800 Umzugskartons ausgepackt, die Lehrmittel eingeräumt werden sollen. Die Schüler aus dem Kunstunterricht haben das Haus bereits ausgestaltet. So bekommt die Schule langsam Charakter. Die Adresse wird nicht das einzig Neue ab dem kommenden Schuljahr sein: Die Schulklingel läutet künftig erst um 8 Uhr, eine Viertelstunde später als sonst. Eine Antwort der Schule auf die neuen, oft längeren Schulwege.

Quelle:   Artikel der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 18.07.2007