Kathrin Zimmer wurde im April 1984 verhaftet…

Frau Zimmer steht vor uns. Diese große, schlanke Frau mit kurzen blonden Haaren erzählt aus ihrem Leben. Sie spricht mit fester Stimme, aber manchmal hört man immer noch ihren Schmerz, ihr Nichtverarbeitethaben dieser Zeit, in der sie hier im Gefängnis saß, verhört - nein - vernommen wurde (Im Sprachgebrauch des MfS gab es keine Verhöre sondern nur Vernehmungen, wartete und nicht so recht wusste, was geschehen würde.

Frau Zimmer wurde verhaftet weil sie Handzettel verteilt hat, Handzettel mit pazifistischem Inhalt. Sie wollte keine Waffen damals 1984 als der Kalte Krieg noch einmal sehr kalt wurde und die Gefahr bestand, dass er heiß wird. Sie wollte keine Waffen in einer Republik, die den Frieden auf ihre offiziellen Fahnen geschrieben hatte. Dafür wurde sie verhaftet.

Wir, die Schüler der 10. Klassen, waren in der Gedenk- und Begegnungsstätte im Torhaus im Amthorweg. Es ist nicht mehr viel, was da steht. Die eigentlichen Zellen sind abgerissen worden, dort sollte etwas entstehen - es ist immer noch ein unbebauter Platz. Wir sind durch das Torhaus gegangen und es war etwas anders als in eigentlichen Museen.

Man konnte die Dinge anfassen, über Stasi-Akten hören und sich eigentlich nur an den Kopf fassen, womit sich die Stasi beschäftigt hat und was in den Akten alles zu lesen war. So wurden Ringelsocken zum Politikum, wurden Geruchsproben in Einweckgläsern aufbewahrt. Und der Transporter, der die Gefangenen in die Gefängnisse fuhr wurde als Lieferwagen für irgendwelche Lebensmittel getarnt.

So wurde uns eine Seite der DDR-Geschichte nahe gebracht, eine schlimme, unwirkliche, unfassbare.

Mit Hilfe eines Arbeitsblattes erkundeten wir die anderen Räume des Torhauses, erfuhren auch, dass die Nazis dieses Gebäude bereits genutzt hatten, es wurde in seiner Funktion einfach von der nächsten Diktatur übernommen.

Ein Film über Matthias Domaschk rundete unseren Besuch ab.