Der kleine Bär

"Uppo Nalle geht es schlecht", so der Eindruck von Vivien G. und Chantal F., die täglich beim Betreten und Verlassen des Schulgebäudes der Staatlichen Regelschule 12 in Gera-Bieblach an dem "Kleinen Bären" aus der in der Mitte Finnlands gelegenen Stadt Kuopio, vorbei gehen.

Sein eigentlicher Platz ist im Hofwiesenpark. Dorthin gekommen war er im Rahmen der Bundesgartenschau Gera-Ronneburg im Jahre 2007. Auf dem Areal wurden Partnerstadtgärten angelegt und so fand der "Kleine Bär" auf Initiative der Mitglieder der Deutsch-Finnischen Gesellschaft (DFG) in Gera von der Partnerstadt Kuopio den Weg nach Gera.

Die Idee dabei: Uppo Nalle soll Deutsch lernen und seine Abenteuer mit hiesigen Kindern teilen. Schnell schlössen die Kinder die Figur in ihre Herzen, wurde sie zu einem beliebten Fotomotiv. Uppo Nalle sollte so als Brückenbauer zur Vertiefung der Städtepartnerschaft Gera - Kuopio beitragen. Leider sind dem "Kleinen Bären" nicht immer alle Besucher im Hofwiesenpark wohlgesonnen.

Kleinere Reparaturen sowie notwendig gewordene Restaurierungsarbeiten haben die Vereinsmitglieder bisher immer selbst gestemmt, teilweise mit Unterstützung durch Bürger- und Unternehmerschaft. Zu groß nun allerdings der Schaden an Uppo Nalle, den das Hochwasser Anfang Juni hinterlassen hatte. "Jetzt geht es Uppo Nalle wirklich schlecht", meinen nicht nur die beiden Neuntklässlerinnen, die sich im Rahmen eines Seminarprojektes des "Gastschülers" Uppo Nalle annehmen und die Geschichte um den "Kleinen Bären" erforschen und aufbereiten werden.

Um die Figur Uppo Nalle rangt sich eine interessante Geschichte, verrät Heinrich-Dieter Hischer, Landesvorsitzender der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Thüringen e.V. Einem krankem Kind erzählt, bei jedem Besuch im Krankenhaus eine neue Geschichte angefügt und dann aufgeschrieben, hat sie die Lehrerin und Schriftstellerin Elina Karjalainen, die selbst aus Kuopio stammt. 12 Bücher mit insgesamt 35 Uppo-Nalle-Geschichten sind dabei entstanden. Illustriert mit lustigen bunten Bildern wurde die Buchreihe von Hannu Taina.

Auf Initiative der Deutsch-Finnischen Gesellschaft wurde nun das erste Buch ins Deutsche übersetzt, was einer kleinen Sensation gleichkommt", so DFG-Vorstandsmitglied Edgar Krötenheerdt. Gesucht sind nun Sponsoren für den Druck, wobei man sich auch um Fördermittel bemüht. Vorerst ist an eine Auflage von 400 Stück gedacht. Ins Blickfeld rücken Lesungen in Kindertagesstätten, Schulen und Bibliotheken. "Unser Ziel ist es, die Städtepartnerschaft Gera und Kuopio mehr in das Bewusstsein unsere Bevölkerung zu bringen und ihr mit weiteren Aktionen neue Impulse zu verleihen", so Krötenheerdt.

Für einen Zeitraum von vier Wochen besuchen junge Finnen Gera, leben hier in Gastfamilien und gehen in deutsche Schulen. Leider sei das Interesse an einem Austausch unter den jungen Geraern nicht so groß, bedauert Heinrich-Dieter Mischer. Dass Uppo Nalle in der Staatlichen Regelschule 12 in Gera-Bieblach vorübergehend als "Gastschüler" Aufnahme fand, dahinter verbirgt sich das Engagement von Schulleiter Torsten Weiß, der selbst Mitglied, in der Deutsch-Finnischen Gesellschaft ist.

Gewundert haben sich die Schüler schon, erinnert sich Torsten Weiß und so mancher meinte, das sei das zukünftige Schulmaskottchen. Was den Schulleiter auf eine Idee brachte: "Noch hat unsere Schule keinen Namen." Auch die Aufnahme einer möglichen Patenschaft zu einer Schule in Kuopio zählt zu seinen Visionen. Doch vorerst steht die dringliche Aufgabe, Uppo Nalle, den "Kleinen Bären" zu reparieren, damit sich die Kinder im Sommer wieder an ihm im Hofwiesenpark erfreuen können.

Quelle:   Artikel der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 10.12.2013