Studienfahrt nach Auschwitz

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Der Dienstag gestaltete sich mit dem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu einem emotional und körperlich anstrengenden Exkursionstag. Erschüttert standen die Schüler vor den Zeugnissen und Überresten einer unfassbaren Vernichtungsmaschinerie, die allein in ihren räumlichen Dimensionen jedes Vorstellungsvermögen sprengt.

Schwer begreifbar war auch der bis heute spürbare Zynismus der deutschen Ordnungsaufrufe "Verhalte dich ruhig!" an einem Ort des industrialisierten und perfektionierten Massenmordes. Geführt von einer sehr engagierten Exkursionsleiterin versuchten die Schüler die unvorstellbare Dimension des verbrecherischen Völkermordes und gleichzeitig auch die kalte Perfektion im Vorgehen der Täter zu begreifen, wirkliches Verstehen wird unmöglich bleiben.

Ein Höhepunkt der vorhandenen Ausstellungen waren für die Schüler die gefundenen Familienfotos eines kleinen Teils der Ermordeten. Die Abstraktheit der kalten Zahlen und die Unvorstellbarkeit des Massenmordes in den Gaskammern werden hier überdeckt durch ergreifende, emotional tief treffende Fotos von Menschen, die ganz normal arbeiteten, lebten, liebten und Familien gründeten...

Am späten Nachmittag erhielten die Schüler in einem Workshop einen Einblick in die Archivarbeit der Gedenkstätten und gleichzeitig in die makabre Bürokratie der SS-Führung und der Lagerverwaltung. Am Abend bot der Film "Grauzone" mit anschließender Filmdiskussion Gelegenheit, offene Fragen zu klären, Eindrücke zu schildern und das am Tag Erlebte zu vertiefen und zu verarbeiten.

Am Mittwoch folgte eine Stadtexkursion in das ehrwürdige 750-jährige Krakau. Die Schüler staunten über die Modernität und das pulsierende Leben dieser polnischen Metropole. Erkundungen in der Altstadt bewiesen die historisch und aktuell erfolgreiche Partnerschaft Polens mit seinen Nachbarn.

Die abendliche Abschlusszusammenkunft ergab, dass die Schüler in jeder Hinsicht beeindruckt und mit vielen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen die Heimreise antreten. Wesentlich sei, so wurde betont, dass diese Eindrücke und Gedanken keinen Abschluss der Beschäftigung mit Polen, Deutschland, dem dunklen Kapitel Auschwitz und dem Nationalsozialismus darstellen, sondern Ausgangspunkt aktiver Auseinandersetzungen auch in den Heimatorten, Schulen und im privaten Leben sein sollen.

Dank gilt den Förderern und Organisatoren von der Vereinigung "Kinderinteressen Thüringen e.V." für eine sehr gelungene Bildungsfahrt. Die begleitenden Lehrer waren sich einig, dass derartige Schülerfahrten auch weiterhin gefördert werden müssen, da der Bedarf an Aufklärungsarbeit dieser Art riesig ist.

Autor:   D. Stüllein, Geschichtslehrer