Das France Mobil an der Schule

Das France Mobil an der Schule Schüchtern schleicht sich Henry zu seiner Französisch-Lehrerin. "Frau Kecke, können Sie die Angèle nach Autogrammen von Thierry Henry und Franck Ribery fragen?", sagt er und nestelt verlegen an der Sporttasche. Die Lehrerin mit den blonden Wuschellocken schickt Henry zurück ins Klassenzimmer. Dort steht Angèle Mallet, für einen Tag mit dem France-Mobil angereist. Die Französin möchte vier Klassen an diesem Vormittag die französische Sprache und Kultur näher bringen.

Dazu gehört nach Henrys Meinung auch der Fußball. Persönlich kenne sie die Fußballer nicht, sagt die 24-Jährige zu dem Sechstklässler, aber Ribery habe in ihrer Heimatstadt Lille gespielt. "Und wenn ich ihn treffe, bitte ich ihn um ein Autogramm, d'accord?" sagt Angèle zu dem Jungen und bindet dabei wie selbstverständlich französische Redewendungen ein. "Die Kinder sollen lernen, ohne es zu merken. Sie sollen Spaß an der Sprache haben", sagt Angèle Mallet.

Ein ungezwungener Umgang mit der als schwierig geltenden Sprache liegt auch Dana Kecke, der einzigen Französischlehrerin der Schule, am Herzen. Aus diesem Grund hat sie das France-Mobil eingeladen. Der Kontakt mit Muttersprachlern ermögliche einen lebhaften Unterricht und könne die Sechstklässler von der Sprache überzeugen. Immerhin steht im Juni die Entscheidung für die Kinder an, ob sie künftig Französisch lernen oder sich für eines der anderen Wahlpflichtfächer entscheiden. Die Fächer Wirtschaft/Umwelt/Europa und Natur/Technik stehen dabei zur Wahl.

Für eine zweite Fremdsprache neben Englisch spreche vieles, so Dana Kecke. "Frankreich ist unser Nachbar, ein attraktives Urlaubsland. Wer später einmal in der Gastronomie, der Mode oder in den europäischen Institutionen arbeiten will, muss Französisch sprechen." Beim Werben um den Nachwuchs sieht sich Dana Kecke im Vorteil, schließlich bietet die Schule in der fünften und sechsten Klasse einen Basiskurs Französisch für alle Schüler an. In einer Unterrichtsstunde pro Woche lernen sie so die ersten Wörter.

Für die sechste Klasse aber, die in diesem Herbst von der Langenberger Schule in die Erich-Mühsam-Straße umgezogen ist, ist die Begegnung mit Angèle Mallet der erste Kontakt mit Frankreich überhaupt. Dennoch plappert die junge Frau auf Französisch los. "Die Kinder haben noch keine Hemmungen. Klischees von Franzosen als flirtende Frosch- und Schneckenesser kennen sie nicht", erklärt Angèle Mallet.

Seit September letzten Jahres betreut sie für das Institut francais in Leipzig, das zum Netz der französischen Botschaften in Deutschland zählt, das France-Mobil. Die Aktion gibt es seit 2004, sie wird unterstützt von der Robert-Bosch-Stiftung, privaten Institutionen sowie dem deutsch-französischen Jugendwerk. Mit ihrem kleinen Van, der voller Karten, CDs und DVDs sowie Souvenirs wie einem Miniatur-Eiffelturm ist, bereist Angèle Mallet den Einzugsbereich des Instituts. Dazu zählen neben Sachsen auch Thüringen und Sachsen-Anhalt.

18000 Kilometer hat die junge Frau im vergangenen Jahr im Dienste der französischen Sprache zwischen der Altmark und dem Thüringer Wald zurück gelegt, mehr als 5000 Schüler hat sie dabei unterrichtet. Gern berichtet sie von einer Klasse, deren 25 Kinder sich nach ihrem Besuch geschlossen für den Französisch-Unterricht anmeldeten.

Wie fruchtbar ihr Besuch in Gera war, wird sie erst im Sommer erfahren, wenn die Anmeldungen für die Wahlpflichtfächer vorliegen. Lehrerin Kecke zeigt sich optimistisch. Und auch die junge Französin sagt: "In Thüringen sind die Anmeldungen gut." Sie hofft, auch die Geraer Sechstklässler überzeugt zu haben - und das nicht nur wegen Frankreichs Fußballer.

Quelle:   Artikel der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 06.11.2008