Ralf Schumann zu Besuch

Die Geschichte von Ralf Schumann hätte ganz anders laufen können. Der erfolgreichste Pistolenschütze der Welt sollte eigentlich Gewichtheber werden, berichtete Schumann gestern in der 12. Staatlichen Regelschule Gera Schülern, denen er seine Sportart, das Sportschießen vorstellte. "Bei uns kam damals einer rein und suchte sich die zwei Kleinsten aus, zu denen ich auch gehörte."

Die Theorie, dass die "Kleinsten" weniger Weg zurücklegen müssen, um das Gewicht über den Kopf zu stemmen, ging bei ihm aber nicht auf. "Ich war zu unbeweglich in den Schultern und auch in den Händen." Also ging er zurück zu jenen, die ihn einst wegschickten, eben weil er zu klein war - den Sportschützen. Das Gewehr war auch im zweiten Anlauf nichts für ihn, aber die Pistole.

Der Rest ist Schießsportgeschichte: Drei Mal olympisches Gold, zwei Mal Silber, sieben Olympiateilnahmen - keiner hat das Sportschießen so erfolgreich betrieben wie Schnellfeuerpistolen-Schütze Schumann. Heute arbeitet er als Stützpunkttrainer in Suhl, gibt seine Erfahrungen weiter.

Deswegen war er gestern auch zu Besuch in der Geraer Regelschule. Eingeladen hatte ihn der Verein Geraer Sportschützen, der mit Schumann, Trainer Heinz Schirmer und dem Vereinsvorsitzenden Joachim Zaumsegel die 12- und 13-Jährigen für eine Sportart begeistern wollte, der viel Vorteile mit sich bringt, wie der Olympiasieger versicherte.

Neben einer sinnvollen Freizeitgestaltung lerne man im Sportschützenverein, wie man sich gut konzen­trieren kann. "Dafür haben wir spezielle Übungen", führte Schumann aus. Aber die Hauptsache sei es, Spaß an dem zu haben, was man mache.

Heinz Schirmer und Ralf Schumann betonten auch noch einmal ausdrücklich, dass es bei den Sportschützen nur um den Sport gehe. "Unsere Treffer sollen keine Wirkung erzielen, sondern nur im Ziel landen", sagte Schumann. Und Heinz Schirmer ergänzte: "Waffen haben in der Wohnung nichts zu suchen und gehören ausschließlich auf den Sportplatz."

Das Schwarze der Scheibe zu treffen, sei Ralf Schumann in seiner langen Karriere "relativ oft gelungen". Jenen, die diese Treffsicherheit auch erlernen wollen, bot er an, im April oder Mai noch einmal wieder zu kommen. Dann will er für alle Schießsport-Begeisterten in Gera ein kostenloses Schnuppertraining anbieten.

Quelle:   Artikel der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 14.12.2014