Workshop zum Judentum

Deutsche sind fleißig und lieben die Ordnung, Italiener sind Machos, lieben das Hotel Mama und sind sowieso alle bei der Mafia, Polen klauen und nehmen den Deutschen die Jobs weg auf den Gurkenfeldern, Franzosen lieben nur Frankreich und sonst nichts und Juden? Über Juden wird so vieles geschrieben. Alte Feindbilder werden immer wieder herausgekramt - auch die aus der Bibel - und leider halten sich auch viele aus einer Zeit, die eigentlich überwunden sein müsste - nein nicht vergessen, aber mit dem Wissen von heute überdacht.

Workshop zum Judentum Aber sie sind es nicht und so halten sich Vorurteile und Unwissen immer noch fest in den Köpfen und deshalb machen sich Studenten jüdischen Glaubens aus Berlin - wo sie studieren und leben - auf den Weg in alle Richtungen Deutschlands und wollen in ihren Veranstaltungen erzählen und aufklären und klar machen, dass Juden Menschen wie du und ich sind mit den gleichen Problemen und Freuden, den gleichen Zweifeln und Hoffnungen.

Und so kamen sie mit Hilfe des "Civitas-Projektes" und der Landesstelle Gewaltprävention Erfurt auch nach Gera an das Liebegymnasium und die 10. Klassen des Gymnasiums und die Klasse 10b der Staatlichen Regelschule 12 hatten einen ganzen Tag Zeit ihr Wissen und ihre Einstellungen über Juden in Deutschland, Israel und der Welt zu erweitern, revidieren oder neu zu durchdenken.

Nach einem längeren historischen Abriss jüdischer Geschichte ging es in Workshops um ganz spezielle Probleme wie Antisemitismus, jüdisches Leben heute und interkulturellem Training. Es wurde nach anfänglicher Zurückhaltung gefragt, diskutiert, gestritten und gearbeitet. Und so nach und nach zeigte sich, dass bestimmte Denkmuster nicht passen oder erweitert werden können, dass Juden eben nicht sofort auf der Straße erkennbar sind, dass man mit viel Wissen nicht auf falsche Parolen hineinfällt und - überraschend oder auch nicht - dass Juden Menschen sind wie du und ich - nur mit einem bestimmten Glauben.

Zum Abschluss beantworteten unsere Gäste offen gebliebene Fragen. Und hier zeigte sich, dass die anfangs bestehende Scheu überwunden war, denn es waren zum Teil sehr diffizile Dinge, die da angesprochen wurden, etwa nach der Beschneidung der Jungen, nach Homosexualität im Judentum, nach dem alltägliche Leben in Israel und weiteren Dingen. Sally Perel ("Ich war Hitlerjunge Salomon") zitierte bei einer Veranstaltung den Regisseur Steven Spielberg: "Zeitzeugen sind die besten Lehrer." Hier hat es sich bewahrheitet.

P.S.: Auch die anderen Vorurteile sind eben nur Vorurteile und lassen sich durch besseres Kennenlernen und intensivere Beschäftigung ganz schnell beseitigen.