Kaeser Kompressoren setzt auf Ausbildung

Kaeser Kompressoren setzt auf die Ausbildung Jugendlicher, auch wenn es über den eigenen Bedarf hinausgeht. 20 Neue haben jetzt eine Lehre in dem Geraer Unternehmen begonnen, doppelt so viele wie eigentlich benötigt. Insgesamt lernen damit im Werk derzeit 70 Jugendliche einen Beruf. Dafür wurde gestern ein neues Ausbildungszentrum eingeweiht, das sich im ehemaligen Vertriebsgelände unweit des Hauptwerkes befindet.

"Wir haben die Fläche der Lehrräume um gut ein Drittel vergrößert", berichtet Personalreferent Michael Scheler. Und auch das neue Zentrum mit seinem modernisierten Maschinenpark ist bereits voll ausgelastet. Gelernt wird effizient in zwei Schichten, am Vor- und am Nachmittag. Neben den vier Ausbildern gibt es im 280-Mann-Betrieb 20 Ausbildungsbeauftragte. Kaeser bietet die Berufsbilder Maschinen- und Anlagenführer, Industriemechaniker, Industriekaufmann, Fachlagerist und Zerspanungsmechaniker an. Gut 350 Bewerbungen hatte es um die 20 Plätze gegeben.

Dass junge Leute eine Ausbildung bekommen, versteht Geschäftsführer Thomas Kaeser auch als soziales Engagement. Deshalb fährt das Unternehmen seit 2005 die Strategie, über den eigenen Bedarf hinaus auszubilden. Dies war schon einmal Anfang der 1990er Jahre im Osten politisch gefördert worden - und in Verruf geraten, weil vor allem branchenspezifisch geschulte Jugendliche am Markt vorbei lernten und danach doch wieder auf der Straße standen. Bei den Abschlüssen, die Kaeser anbietet, dürfte das anders aussehen.

"Die Chancen, mit diesen Berufen auch anderswo einen Job zu finden, sind alles andere als schlecht", findet IHK-Geschäftsführerin Ingrid Weidhaas und bescheinigte dem Unternehmen eine hohe Qualität der Ausbildung. Und Thomas Kaeser geht von der eigenen Personalpolitik aus: "Leute ohne Ausbildung stellen wir gar nicht mehr ein."

Erfahrungen mit der Lehre über Bedarf gibt es noch nicht; 2009 werden die ersten Lehrjahre abschließen. Bislang hatte Kaeser in der Regel seine Nachwuchskräfte übernommen. Wie viele aus den neuen Groß-Klassen eine Chance im Unternehmen bekommen werden, hängt vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Michael Scheler gibt sich zuversichtlich, dass der Großteil ein Jobangebot von Kaeser bekommt. Allein in Gera ist die Produktion von Druckluft-Kältetrocknern in diesem Jahr von 17 000 auf 20 000 Stück gestiegen. Auch der Absatz der in Gera produzierten Drehkolbengebläse wächst.

Und so könnte das neue Ausbildungszentrum auch vom aktuellen Werkentwicklungsplan profitieren. Der sieht inhaltliche und bauliche Veränderungen am Geraer Standort des Coburger Familienunternehmens vor. So soll bis Mitte 2009 ein neu entstehenden Logistikzentrum an das Werk andocken.

Ein Erweiterungsbau ist auch für die mechanische Fertigung geplant. Und auch innerhalb der Verwaltung wird es eine Vergrößerung geben, kündigt Produktionsleiter Gert Dreyhaupt an. Im kommenden Jahr sollen wieder 20 Lehrlinge an den Start gehen - Bewerbungen sind noch bis November möglich. Die Ausbildung über Bedarf ist eine rein soziale Ader.

Quelle:   Artikel der Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 09.10.2007