Kompressorenwerk Gera

Die Firma wird 1877 von Herrn Heinrich Leo, von Beruf Gürtler, geboren am 27. Mai 1851, gegründet. Der erste Firmensitz war ab dem 01.08.1877 das Rothsche Haus an der Ecke Krumme- und Buttergasse, direkt im Geraer Zentrum. Die Herstellung von Armaturen stellte eins der Haupttätigkeitsfelder dar.

Firmengründer Heinrich Leo    1. deutsche Autokraftluftpumpe    Firmenzeichen von Heinrich Leo

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Firma von einer Werkstatt zum Industriebetrieb. 1890 wurde dann die erste deutsche Autokraftluftpumpe gebaut. Am Ende des Jahres 1913 treten die Söhne des Firmengründers, Fritz, Hermann und Kurt Leo, in die Firma als persönlich haftende Gesellschafter ein. 1927 wird ihnen die Firmenleitung übertragen.

Firmenleitung durch die Söhne

Am 21.04.1932 verstirbt der Firmengründer 81-jährig. Er hinterlässt ein Unternehmen mit einem soliden Fundament, welches eine fast kontinuierliche Aufwärtsbewegung vorweisen kann. Im Jahr 1937 hat die Firma 762 Mitarbeiter, davon 121 Lehrlinge. Um die Jahreswende 1937/1938 sind bereits über 85000 Kompressoren verkauft. Durch das Kriegsleistungsgesetz wird die Firma von Heinrich Leo in Gera am 30.06.1939 durch militärische Bekanntmachung zum Rüstungsbetrieb erklärt.

Am 07.10.1944 trifft ein schwerer Bombenangriff die Stadt Gera. Der Betrieb wird durch Bomben getroffen, wobei erhebliche Gebäudeschäden entstehen. Das Schlimmste aber ist, dass dabei 13 Menschen den Tod fanden. Sie sind unter den Trümmern begraben worden.

Ende des 2. Weltkrieges

Seit 14.04.1945 wird Gera durch die US-Armee besetzt - der faschistische Krieg ist für die Stadt Gera und seine Bewohner, also auch für die Firma von Heinrich Leo, vorüber. Entsprechend alliierter Festlegungen zieht die Rote Armee am 02.07.1945 in Gera ein. Es war die beeindruckendste Begrüßung der Roten Armee im Thüringer Raum. Trotzdem steht für viele Menschen die Frage offen, was für ein Schicksal sie erwartet. Viele verhielten sich abwartend, aber nicht wenige hofften auf eine bessere Zeit.

Im September 1945 entwickelte sich zwischen der Sowjetischen Militär-Administration und einigen Teilen der Geraer Bevölkerung langsam gewisses Verständnis und Zusammenarbeit. Aber auch für die deutsche Bevölkerung negativ wirkende Maßnahmen müssen von der Sowjetischen Militär-Administration durchgesetzt werden. Ehemalige Rüstungsbetriebe werden unter Sequester gestellt - sie unterliegen nun dem Befehl der Militärverwaltung.

Die Firma unter Zwangsverwaltung

Auch die Firma Heinrich Leo wird als ehemaliger Rüstungsbetrieb unter Sequester gestellt. Im Jahr 1946 haben 500 Menschen im Betrieb Arbeit. Die Umstellung auf Friedensproduktion ist entsprechend der Möglichkeiten der Fertigung immer besser ins Rollen gekommen. Am 1. März 1949 geht der Betrieb in Volkseigentum der Deutschen Demokratischen Republik über.

Im Handelsregister des Amtsgerichtes Gera wird am 11. April 1949 die Eintragung der Firma von Heinrich Leo gelöscht. Am 22. April 1949 wird der volkseigene Betrieb Leo von der Zonenvereinigung "EKM", der Energie- und Kraftmaschinenbau in Halle/Saale, als Rechtsträger übernommen. Als erster Betriebsleiter wird Rudolf Spörl eingesetzt.

Einrichtung einer Betriebsberufsschule

In der obersten Etage des Gebäudes an der Schülerstraße wird im Dezember 1950 die Betriebsberufschule eingerichtet. Zwei Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und die erforderlichen Nebeneinrichtungen sind geschaffen.

Polytechnischer Unterricht    Neubau von Produktionshallen    Betriebsleiter Rudolf Spörl (1949)

Diese schulische Einrichtung dient nicht nur den eigenen Lehrlingen zur Vermittlung theoretischer Kenntnisse, sondern auch den Lehrlingen des "Dampfkesselbau Gera". Ab 01.09.1958 wird entsprechend eines Regierungsbeschlusses in der DDR der Polytechnische Unterricht für die Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 eingeführt.

Wendezeit

Der VEB Geraer Kompressorenwerk wird zur Wendezeit am 22.06.1990 bei der Treuhandgesellschaft in Berlin in die Geraer Kompressorenwerk GmbH umgewandelt. Am 31. Mai 1991 finden Verkaufsverhandlungen mit der Firma KAESER aus Coburg in Gera statt. Es entsteht eine fundierte Zuversicht zur Erhaltung des Betriebes. 31.07.1991 erfolgt die Aufgliederung des Territoriums im Bereich Leibnizstraße 65 in "Geraer Kompressoren GmbH" und "GKW-Guss GmbH".