Fernsehen

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1964: Dritte Programme

In diesem Jahr beginnt die Ausstrahlung der ursprünglich als reine Bildungsprogramme konzipierten "Dritten Programme". Am 22.09.1964 eröffnet der "Bayerische Rundfunk" (BR) als erste ARD-Rundfunkanstalt ein drittes Fernsehprogramm unter dem Titel "Studienprogramm".

Es folgen der Hessische Rundfunk (HR) am 05.10.1964, die Nordkette, bestehend aus Norddeutscher Rundfunk (NDR), Radio Bremen (RB), Sender Freies Berlin (SFB), mit einem gemeinsamen Programm am 04.01.1965, der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am 17.12.1965 und die Südkette, bestehend aus Süddeutscher Rundfunk (SR), Südwestfunk (SWF) und Saarländischer Rundfunk (SR), mit einem gemeinsamen Programm am 05.04.1969.

Mit zunehmendem Programmangebot steigen die angemeldeten Geräte auf über 10 Millionen an. Weitere "Dritte", beziehungsweise öffentlich-rechtliche Programme entstehen in folgenden Zusammenhängen: Bei der Integration der ostdeutschen Bundesländer nach dem Mauerfall entsteht 1991 der "Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland".

Das Kinder- und Jugendfernsehen entwickelt sich nur sehr langsam im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Erst 1997 wird der Zielgruppe mit Gründung des "Kinderkanals" (KIKA) in Erfurt, einem Gemeinschaftsunternehmen von ARD und ZDF, ein ganztägiges Programm angeboten.

Eine Sonderstellung unter den öffentlich-rechtlichen Programmen nehmen bis heute der 1984 gegründete Kulturkanal "3Sat", die deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion des europäischen Kulturprogramms "arte" von 1992 und der bereits am 26. Oktober 1960 gegründete Sender "Deutsche Welle" ein.

1967: Start des Farbfernsehens

Die technische Entwicklung des Farbfernsehens beginnt bereits im Jahr 1954 mit einem Verfahren des "National Television System Comitee" (NTSC) der USA. Die Farbauszüge der drei Grundfarben blau-grün-rot werden im NTSC-System durch Mischung in der Fernsehkamera, mit Hilfe von Filtern und Aufnahmeröhren, gewonnen und in elektrische Signale umgewandelt. Das Verfahren ist anfangs sehr empfindlich für weite Übertragungen.

Zwei Jahre nach der amerikanischen NTSC-Technik gelingt dem französischen Elektrotechniker Henri de France mit seinem SECAM (Séquentiel à mémoire)-System die Einführung des Farbfernsehens in Europa. Zu diesem Zeitpunkt ist es dem Deutschen Fernsehen immer noch nicht möglich, in Farbe zu senden. 1963 führt Walter Bruch sein bei Telefunken entwickeltes PAL (Phase Alternating Line)-System vor.

Es perfektioniert die Technik des amerikanischen NTSC-Systems und setzt sich in vielen europäischen Ländern durch. Am 25. August 1967 ist es dann soweit: Durch einen symbolischen Knopfdruck während der "Internationalen Funkausstellung" in Berlin eröffnet Bundesaußenminister Willy Brandt das Zeitalter des Farbfernsehens in Deutschland.

Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Fernsehindustrie zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der BRD. Der Fernseher wird zum Massenprodukt. Bis Anfang der 70er-Jahre wuchs die Zahl der Haushalte mit einem Fernsehgerät um jährlich 1,1 bis 1,4 Millionen. 1975 erreichte die Fernsehdichte in Deutschland 93 Prozent.