Der kleine Baum und die große Frage


Erster Schultag im neuen Schuljahr. Die Aula ist gefüllt mit vielen kleinen erwartungsvollen Schülern. Die neuen Fünftklässler werden freundlich vom Schulleiter und den Klassen 6c und 6d begrüßt.

Da sitzen sie nun und links und rechts von ihnen haben sich Schüler der 6c aufgestellt und erklären die Schule, sprechen von eigenen Befürchtungen und der Aufnahme, von den neuen Unterrichtsfächern und Fachräumen, versuchen so die Angst zu nehmen. Wie beim Tennis werfen sie sich die Sätze zu und das "Publikum" ist gezwungen, den Kopf hin und her zu wenden. Das sah lustig aus und befreite für den Moment.

Es folgte die "Geschichte vom Baum, der kein Baum mehr sein wollte".

Ein kleiner Baum fragt sich, warum er ein Baum ist, warum er im Wald stehen muss, es zulassen soll, dass Vögel in seinen Ästen Nester bauen, Tiere sich an seinem Stamm zu schaffen machen. Soll dies das Leben sein. Das will er nicht und so beschließt er kein Baum mehr zu sein. Nun wird er "Nicht-Baum" genannt.

"Nicht-Baum" lernt nun die Welt kennen. Mit vielen anderen unterhält er sich, um das, was in der Welt so vorgeht" zu erfahren. Die Birke erzählt von den großen Bäumen mit bunten Blüten und großen Früchten, von den Fischen im Meer, den Tieren in den großen Wäldern.

Der Frühling kommt, "Nicht-Baum" ist größer geworden, hat aber keine Blätter bekommen. Dafür hatte er keine Zeit bei all den Geschichten. Da aber "Nicht-Baum" mittlerweile sehr berühmt geworden war, bauten die Vögel trotzdem ihre Nester auf seinen Zweigen. Nun hatte er eine große Verantwortung, denn die Eier waren nicht geschützt und er musste Tag und Nacht wachen.

Der erste ungebetene Besucher war ein Eichhörnchen. Mit einer schönen Geschichte konnte "Nicht-Baum" es dazu bringen, die Eier zu verschonen.

Der Sommer geht vorbei, die Vögel sind geschlüpft und weggeflogen. Langeweile kommt auf und wieder die quälenden Fragen. "Ich will mich bewegen, will endlich laufen!" Und in der Nacht, wenn es richtig dunkel ist, übt er das Wiegen und Strecken - erst einzelne Äste, dann die Zweige, dann wiegt er sich ganz. So schön ist das.

Doch eine Gefahr lauert schon. Ein Holzfäller hat es auf "Nicht-Baum" abgesehen. Die Vögel erzählen es, die Freunde, das Eichhörnchen, der Fuchs und andere graben ihn aus und er kann weglaufen. Es wird ein Baum bleiben und gegen seine Natur kann man eigentlich nichts unternehmen.

Der "Nicht-Baum" wird ein Baum bleiben, wenn auch stärker und klüger.

Der Mensch wird ein Mensch bleiben, auch er irgendwann stärker und klüger.